Aktuelles Gemeindeportrait Rathaus Bürgerservice Wohnen & Wirtschaft Freizeit & Tourismus Bildung & Soziales
Einheitsgemeinde Gerstungen
Ortsteile: Gerstungen | Lauchröden | Oberellen | Unterellen | Neustädt | Sallmannshausen
Ortsteil OBERELLEN
Gemeindeportrait
Gemeindeportrait
  Lage  
  Statistik  
  Geschichte allgemein  
  Ortsgeschichte  
  Archiv  
  Chronik  
  Wappen  
  Partnergemeinden  
  Fotogalerie  
  Anfahrt  
  Ortsplan  
Ortsgeschichte
Dorflinde Oberellen - ehem. im Gemeindesiegel verwandt
 
 
Der Schöpfer des Namens ist unbekannt, deswegen gibt es auch keine sichere Deutung. Sprachwissenschaftler gehen vom Wort "Alinde" aus. "Alinde" ist 1014 bei der Festlegung der Grenzen des Lupnitz Gaues neben der Werra als Flüsschen genannt. Das Wort wird als alteuropäisches Erbe mit -nd - Ende gedeutet und germanisch - "aliso" - lateinisch - "alnus" - "Erle" bedeutet ( so viel wie "Erlenbach"). Es gibt aber auch noch 2 andere Deutungen.
Der Ort wird 1075 - "Elenen", 1121 - "Elnde", 1138 - "Elendi", 1318 - "Elende"genannt. Erst 1439 taucht "Abernelne" und 1512 "Oberneln" auf.
1075 zog Heinrich der IV. mit seinem Heer von der Fulda kommend auf der uralten Kriegs- und Handelsstraße, die Mainfranken mit Thüringen verband, auf der "Kurzen Hessen", durch "Ellenen" (Oberellen= 1. urkundliche Erwähnung) und machte hier Rast, bevor er mit seinem Heer weiterzog in Richtung Eisenach, Lupnitz, Behringen und Langensalza zur Schlacht bei der Homburg, um die aufständischen Thüringer und Sachsen zu schlagen.
Anfang des 12. Jahrhunderts war Elnde im Besitz der Edlen von Goldbach (Christian von Goldbach n. Gattin Berchtrada).

Sie haben ihr Dorf - Elinde 1121 mit der Kapelle und allem Zubehör dem damals aufstrebenden Kloster- Reinhardsbrunn geschenkt (die Schenkung wurde 1121 vom Erzbischof und apostolischen Legat Adelbert von Mainz bestätigt). Bald danach stiftete das Kloster Reinhardsbrunn eine Propstei zu Oberellen und setzte einen Propst mit einigen Brüdern nach "Elnde". Am 3. Februar 1215 nahm der Papst Innocenz III. die Besitzungen des Klosters Reinhardsbrunn in seinen Schutz. Bei der Aufzählung der Besitzungen steht an 7. Stelle "Elede", unser Oberellen. Diese Urkunde befindet sich im Staatsarchiv - Weimar, Außenstelle Gotha - Schloss Friedenstein. Das Staatsarchiv Weimar fertigte uns eine Fotokopie dieser Urkunde an.

1263 lebte Abt Marquard, 11. Abt des Klosters Reinhardsbrunn, eine Zeit in Oberellen, wo er ehedem schon Propst gewesen war. Die Propstei wurde bis Anfang des 16. Jahrhunderts von weltlichen und geistlichen Herrn reich begabt.
Die Ritter Hermann von Treffurt und Heinrich von Colonas verkauften am 7. Juni 1279 ihre Güter zu Hecilswinde mit ihrem Eigentum für 11 ½ Mark an den Propst Marquard von (Ober-) Ellen. Landgraf Albrecht der Entartete von Thüringen bestätigte am 8. Juni 1279 diesen Kauf. Die Brüder Otto und Gottfried von Hasenheritschen schenkten ihren Wald- "Schadebach" dem Propst zu Elnde. Landgraf Albrecht bestätigte 1292 diese Schenkung. 1317 verkaufte die Witwe Cunimunds von Mihla, Gutta, dem Abt zu Reinhardsbrunn und dem Propst Heinrich zu Elnde das Dorf Flensingen mit allen Zugehörungen für 24 Mark lötigen Silbers. Der Kauf wurde 1317 vom Landgrafen Friedrich dem Freidigen in Gotha anerkannt.

Kersten Mutzbach verzichtete 1466 zu Gunsten des Propstes Hans von Neßzliriden (Nesselröden) und Giseler von Besaschenkten 1376 dem Propst zu Ellende eine ihnen gemeinsamgehörende Fischweide in der Werra zu Göringen.
Nach der Niederschlagung des Bauernaufstandes 1525 teilte die Propstei Oberellen das Schicksal des Klosters Reinhardsbrunn und anderer Klöster. Die Mönche wurden vertrieben, die Gebäude zum Teil zerstört. Die Besitzungen wurden säkularisiert. Oberellen hatte 200 Gulden Bußgeldstrafe zu entrichten. Strafe und Besitz kassierte Kurfürst Johann der Beständige. Sein Sohn und Nachfolger, Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige verkaufte den Oberellener Besitz lt. Kaufbrief vom 6. September 1543 von Weimar für 5000 Gulden-Fürsten-Münze an den Obersten Curt von Hanstein. So kamen die aus dem eichsfeldischen Bergschloss - Hanstein stammenden Herrn in den Besitz des Ortes Oberellen. Curt von Hanstein ließ seine Brüder und Vettern in den Vertrag mit aufnehmen und erklärte den Besitz zum Familiengut. Der Besitz wurde als Mannlehn übergeben. Bei der Übergabe war der letzte Propst, Jeronimus Gerlach, zugegen. Aber schon 1528 war ein von der Propstei unabhängiger protestantischer Pfarrer bestellt worden ( Johannes Heilgans, Hailgans, Hagelgans). Er versah sein Amt bis 1543, lebte aber noch 1573 in Dankmarshausen.

Der Kauf des Klostergutes war mit einigen Auflagen an den Käufer verbunden, unter anderem für die Erhaltung der neuen christlichen Lehre zu sorgen, dem Pfarrherrn bestimmte Naturalabgaben (Getreide) zu bringen. Außerdem war im Vertrag festgelegt worden, dass hinterlassene Töchter 4000 Gulden zur Ausstattung gereicht werden sollen.

Curt von Hanstein starb am 23.03.1553 in Mainz, nachdem er noch 1552 Frankfurt am Main ruhmvoll verteidigte, das ihm vom Kaiser anvertraut worden war. Und noch im September 1552 zog er mit seinem Kriegsvolk nach Straßburg und vor Metz. Sein Grabdenkmal befindet sich in der Catharinenkirche zu Oppenheim am Rhein. Curt von Hanstein hinterließ 2 Töchter, welche aber in der Erbfolge nicht in Betracht kamen, und einen Sohn, Curt (der Jüngere), welcher 1577 mit 25 Jahren tödlich verunglückte. Seine Ehe mit einer Frau von Hardenberg blieb kinderlos. Nun fiel der Besitz an die 5 Söhne seines älteren Bruders Lippold (Leipold) von Hanstein, von denen wiederum ein Lippold von Hanstein die Oberellener Linie der von Hanstein stiftete. Er war verheiratet mit Sidonie von Oldershausen (geb. 1535, gest. 1594). Nach ihrem Tode 1594 ehelichte Lippold von Hanstein am 5. Oktober 1595 Anna von Creuzburg.

Lippold von Hanstein ließ 1594 bis 1604 das Oberellener Schloss bauen. Vollenden ließ den Bau dann 1604 sein Sohn Johann Caspar von Hanstein (geb. 1582, gest. 1632) aus der ersten Ehe mit Sidonie von Oldershausen. Johann Caspar von Hansteins Gemahlin war Anna von Baumbach (geb. 1585,gest. 1636). Zu beiden Ehen siehe die Wappentafeln an den Kapitellen der Säulen im Inneren des Schlosshofes (ehemals Pferdeställe).

Mit Jost Christoph von Hanstein erlosch 1722 die Oberellener Linie der von Hansteins. Nach Streit und Prozessen um die Erbfolge teilten sich schließlich die Rothenbacher und Henfstädter von Hansteins in den Besitz. 1680 fiel Oberellen an den Herzog Bernhard von Meiningen. Er führte einen Schlussrezess und überließ den Gebrüdern und Gevattern der von Hansteins auch weiterhin den Hof und das Dorf Ober- Elle mit seinen Zu- und Eingehörungen ( Clausberg, Frommelshof, Hütschhof u. a.) lt. Lehnbrief vom 27. März 1697, namentlich erwähnt wurden Hans-Ludwig von Hanstein und seine 3 Söhne Jost Christ, Johann Levin und Rudolf von Hanstein. Seit 1680 war Oberellen nun Enklave des Herzogtums Sachsen-Meiningen (bis 1920) und ringsum von sächsisch- eisenachischem Gebiet eingeschlossen. Hiervon zeugen noch die über 240 Grenzsteine an der Territorialgrenze unserer Gemeinde Oberellen.

Im 30jährigem Krieg (1618-1648) hatte der Ort sehr zu leiden. Pfarrer Balthasar Reichardt (1630-1657) aus Oberellen hat über den 30jährigen Krieg Aufzeichnungen hinterlassen, aus denen hervorgeht, dass von 95 Häusern vorher nach dem Krieg 53 Häuser leer standen bzw. verwüstet waren. 1637 zählte das Totenregister 121 Gestorbene.

1767 hielten die Reichstruppen das Dorf lange besetzt. 1812/13 wurde Oberellen durch französische Truppen schwer heimgesucht. Auch Napoleons Armee marschierte über die "Kurze Hessen". Napoleon schlug in einer Oberellener Gaststätte Quartier. "Napoleonweg" und "Napoleonstein" sind noch Zeugen aus dieser vergangenen Zeit.

von M. Töpfer